"Das ist kein Beinbruch"

Mit dem Sieg in einem intensiven, aber nicht hochklassigen Topspiel setzte der Spitzenreiter aus Offenburg am Sonntag beim Tabellenzweiten ein Zeichen im Kampf um die Meisterschaft und den direkten Aufstieg in die Landesliga.

Die Entscheidung zugunsten der Gäste fiel durch einen Strafstoß in der Nachspielzeit. Die zahlreichen Gästeanhänger feierten, als sei der nächste Aufstieg schon in trockenen Tüchern. War das tatsächlich schon eine Vorentscheidung? "Nein", sagte der Altdorfer Spielertrainer Christoph Oswald. "Nein" sagte auch der Offenburger Coach Heinz Braun hernach. In diesem Punkt herrschte Einigkeit. "Das war kein Spiel mit Endspielcharakter", erklärte Oswald, "wir haben es angenommen wie jedes andere auch. Es sind noch zehn Spiele in dieser Saison zu spielen." Für Braun ist klar: "Da kann noch einiges passieren. Die Altdorfer haben noch zwei Spiele mehr zu bestreiten. Wenn sie die gewinnen, sind sie an uns vorbei."

Doch zunächst genossen die Offenburger in vollen Zügen das süße Gefühl, sich den Erfolg in allerletzter Minute gesichert zu haben. Torwart Daniel Künstle verwandelte den an Michael Poloczek verschuldeten Foulelfmeter kühl.

Poloczek war es auch, der den ersten Treffer erzielte. Nach einer Viertelstunde brauchte er den Ball nur noch ins offene Tor zu schieben, nachdem sein Sturmpartner Tonio Bayer ihn mit einem feinen Querpass bedient hatte. Vor dieser Szene profitierten die SCO-Spieler von einem Missgeschick des Gegners. Nach einem Steilpass aus dem Mittelfeld fasste der Altdorfer Abwehrrecke Tobias Spelsberg sich beim Sprintduell mit Bayer plötzlich an den Oberschenkel – und Bayer bediente den wartenden Kollegen.

Der SCO schien das Spiel in die Hand zu nehmen, doch dann glichen die Altdorfer aus. David Burghard spielte in der 21. Minute den Ball im Strafraum mit der Hand. Der Schiedsrichter pfiff. Mathias Walter schritt zum Punkt und traf zum 1:1. Möglichkeiten auf einen zweiten Treffer gab es im ersten Spielabschnitt auf beiden Seiten.

Das Spiel war vor der Pause noch von hoher Intensität, ließ danach aber zunächst etwas nach. "Die Altdorfer haben in der zweiten Halbzeit nicht mehr so viel gemacht. Deswegen war unser Sieg zwar glücklich, aber verdient", befand der strahlende Braun. Dies sah sein Kollege Oswald nicht so: "Ein Unentschieden wäre nach den Spielanteilen gerechter gewesen. Schade, dass das Spiel so entschieden wurde. Schade, dass wir das 2:1 nicht gemacht haben, tolle Chancen hatten wir ja."


Er dachte dabei vor allem an die Riesenmöglichkeit, die Dennis Herdrich in der 53. Minute ausließ. Er jagte den Ball nach einem schönen Querpass von Florian Karl frei stehend an die Latte. Die Szene erinnerte stark an den Offenburger Führungstreffer. Der SCO, der über beeindruckende spielerische Möglichkeiten verfügt, die er aber nicht voll zur Geltung brachte, besaß in der Endphase einige gute Schusschancen.

Gegen Ende drohte die Spitzenpartie aber doch noch ihren weitgehend fairen Charakter zu verlieren. Sowohl SCO-Spieler Eugen Wolf als auch der Altdorfer Mathias Walter hätten für ihre jeweiligen Attacken durchaus direkt die Rote Karte sehen dürfen. So blieb es beim umstrittenen Platzverweis für den auffallend starken FSV-Außenverteidiger Mike Morat, der nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot sah.

Am Ende feierten die Gäste lautstark und FSV-Spielertrainer Oswald sagte tapfer: "Das ist kein Beinbruch. Es geht weiter. Schon am Mittwoch spielen wir gegen Rust."

FSV Altdorf: Geppert, Morat, Götsch, Rauer, Spelsberg (18. Herdrich), Oswald, Walther, Griesbaum, Jenner (70. Kremer), Karl, Beck (89. Stückle). SC Offenburg: D. Künstle, Burghard (72. F. Künstle), Muttu, Wolf, Poloczek (80. Kraus), Bernhard, Grüner, Gürdüren, Semanukian, Bayer, Teufel (50. Schadt). Tore: 0:1 Poloczek (15.), 1:1 Walther (21. Handelfmeter), 1:2 D. Künstle (91. Foulelfmeter). Gelb-Rot: Morat (FSV, 85.). Schiedsrichter: Veser (Holzhausen). Zuschauer: 350.

Quelle Badische Zeitung vom 11.04.2011